Belastbarkeit von Elektroleitungen

Da jede Elektroleitung auch einen elektrischen Widerstand darstellt, wird ein Teil der darin transportierten Energie nicht weitergeleitet, sondern in Wärme umgesetzt. Dieser Anteil ist sehr gering, kann aber bei steigender Leistung trotzdem zu Temperaturen führen, bei denen die Leitung selbst und umgebende Materialien Schäden nehmen können.

Um das zu verhindern, legen verschiedene Normen Maximalwerte für die Belastbarkeit von Leitungen und Kabeln fest, die zugleich auch die Nennströme ergeben, für die die Überstromschutzeinrichtungen, also die Sicherungen des jeweiligen Stromkreises, ausgelegt sind.

Welche das sind und wovon sie abhängen, zeigt unsere Übersicht.

Auf Putz verlegte Leitungen sind höher belastbar als Leitungen unter Putz: Bei der Aufputzverlegung kann Wärme leichter abgeführt werden.

Da eine Leitung mit größerem Adernquerschnitt einen geringeren elektrischen Widerstand aufweist als eine Leitung mit niedrigerem Querschnitt, hängt die Belastbarkeit der Leitung unter anderem von ihrem Querschnitt ab. Der zweite Faktor sind die Umgebungsbedingungen: Bei frei mit ausreichendem Abstand zu anderen Materialien in der Luft geführten Leitungen ist eine bessere Wärmeabfuhr zu erwarten als bei Leitungen, die unter Putz oder gar in einem Kunststoff-Leerrohr verlegt sind. Und schließlich hängt die Belastbarkeit auch von der Umgebungstemperatur ab, denn wenn es im Raum schon heiß ist, wird die Wärme einer Leitung schlechter abgeleitet.

Unsere Tabellen haben wir für die drei wichtigsten in Wohnhäusern üblichen Verlegearten aufgestellt. Angegeben sind jeweils die Belastungsgrenzen für einphasige 230-V-Wechselspannung und dreiphasige 400-V-Wechselspannung (Drehstrom). Das sind die Konstanten, die in Wohnhäusern anzutreffen sind.

Davon ausgehend sind die Höchstbelastungen in Ampere angegeben, da nach der Formel P = U x I (Leistung = Spannung x Strom) bei gleichbleibender Spannung die Leistung mit der Stromstärke ansteigt.

Außerdem haben wir eine Umgebungstemperatur von 30 °C angenommen – damit dürfte der weit überwiegende Teil der Umgebungsbedingungen in Wohngebäuden abgedeckt sein.

Verlegung in Rohren oder Kanälen

Dies ist die sogenannte Verlegeart B2. Dabei werden ein- oder mehradrige Leitungen in geschlossenen Installationsrohren oder Kanälen auf oder in der Wand oder unter dem Boden verlegt.

Nennquerschnitt Strombelastbarkeit Strombelastbarkeit
Kupferleiter in mm² Wechselstrom Drehstrom
1,5 15 A 13 A
2,5 20 A 20 A
4 28 A 28 A
6 35 A 35 A
10 50 A 50 A

Verlegung auf/in Wänden und Decken

Hier handelt es sich um die Verlegeart C. Dabei werden ein- oder mehradrige Leitungen unmittelbar auf oder in Wänden, Decken oder Fußböden geführt. Auch die Verlegung in offenen Kabelwannen zählt dazu.

Nennquerschnitt Strombelastbarkeit Strombelastbarkeit
Kupferleiter in mm² Wechselstrom Drehstrom
1,5 20 A 16 A
2,5 25 A 25 A
4 35 A 35 A
6 43 A 40 A
10 63 A 63 A

Verlegung frei in der Luft

Dies ist die Verlegeart E. Mehradrige Leitungen werden dabei frei in der Luft geführt. Ihr Abstand zu umgebendem Material beträgt mindestens das 0,3-fache ihres Gesamt-Querschnitts inklusive Mantel – das ist beispielsweise meist dann gegeben, wenn man mit Abstandsschellen auf Putz oder an Tragseilen verlegt.

Nennquerschnitt Strombelastbarkeit Strombelastbarkeit
Kupferleiter in mm² Wechselstrom Drehstrom
1,5 20 A 16 A
2,5 25 A 25 A
4 35 A 35 A
6 50 A 40 A
10 63 A 63 A

Belastbarkeit einschätzen

Die Elektroanlage wird in aller Regel ein qualifizierter Fachbetrieb planen, dimensionieren und errichten. Trotzdem kann es für Bewohner und Eigentümer nützlich sein, die Belastbarkeit der Leitungen abschätzen zu können – etwa dann, wenn man den Betrieb neuer stromhungriger Elektrogeräte, wie Heizlüfter oder Waschmaschinen, an einem Stromkreis plant.

In diesem Fall zählen Sie die Leistung sämtlicher maximal gleichzeitig an diesem Stromkreis betriebenen Geräte zusammen und teilen sie (bei normalem, einphasigem Anschluss) durch 230. Daraus ergibt sich dann der maximale gleichzeitige Strombedarf. Übersteigt dieser Wert die auf der zugehörigen Sicherung aufgedruckte Ampere-Angabe, dann wird es Zeit, den Elektriker anzurufen und die Leitungen und die zugehörige Absicherung verstärken zu lassen. Andernfalls wird man beim Betrieb eher einmal riskieren, dass die Sicherung auslöst.

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Bildnachweis
  1. "Stromkabel" (Originalbild): Michal Jarmoluk (jarmoluk), Lizenz: CC0 1.0 / Pixabay

  2. "Leitung auf Putz" (Cable lining.JPG) von Dmitry G, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0, beschnitten, skaliert, farbkorrigiert

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