Handwerkzeuge – die Basis jeder Werkstatt

Elektrische Werkzeuge erleichtern die Arbeit, sparen Zeit und arbeiten äußerst effektiv. Viele Spezialgeräte können dabei fast alle Tätigkeitsfelder abdecken. Wird jedoch eine Schraube nicht mit dem Akkuschrauber erreicht, ist dieser nicht kräftig genug oder der Exzenterschleifer einfach zu grob, um kleine Schleifarbeiten zu erledigen, wird zu Handwerkzeugen gegriffen.

Handwerkzeuge gibt es bereits seit der Steinzeit, in der mit einem Stein andere Materialien bearbeitet wurden. Mit der Anbindung an einen Stiel konnte die Schlagkraft vergrößert werden und der erste Hammer war geboren. In der Bronzezeit wurde der Nutzen von Metallen bekannt und auch der einstige Hammer erhielt einen Kopf aus Stahl. Diese Grundform des Hammers hat sich bis heute nicht geändert und befindet sich nach wie vor in jeder Werkstatt.

Trotz technischer Errungenschaften ist die Entwicklung selbst bei solch einfachen Handwerkzeugen nicht stehengeblieben. Heute gibt es endlos viele Formen an Hämmer, die ihrem Spezialbereich angepasst wurden und sogar ohne Rückschlag arbeiten. Gleiches gilt für ehemals einfache Schraubendreher, die heute viel Technik enthalten können. Dennoch funktioniert keine Werkstatt ohne die einfachsten Handwerkzeuge, die sich in Ausführung, Material und nicht zuletzt in ihrer Qualität unterscheiden können.

Der Hammer war das erste Werkzeug

Mit dem Hammer begann die Nutzung von Werkzeugen, indem mit Steinen und Faustkeilen unterschiedliche Materialien, wie Nüsse oder Holz, bearbeitet wurden. Physikalisch ist der Sinn bis heute gleich geblieben: Ein schweres Stück Material wird genutzt, um auf ein anderes zu schlagen. Zur Erhöhung der Schlagwirkung befindet sich heute das schwere Material, also der Hammerkopf, an einem langen Stiel, der es mit einer kurzen Handbewegung ermöglicht, den Hammerkopf über einen längeren Weg zu bewegen und ihm somit mehr Schwung und Schlagenergie zu verleihen. Die Methode ist effektiv und mit physikalischen Gesetzen kaum zu verbessern: Je länger der Stiel oder schwerer der Kopf des Hammers ist, desto mehr Schlagenergie lässt sich erzeugen. Grenzen setzt hierbei lediglich die menschliche Kraft, die den Hammer heben und in Schwung versetzen muss.

Dengeln einer Sense mit dem Hammer

Auch wenn am Grundaufbau des Hammers kaum etwas zu ändern ist, so hat sich doch viel getan und es gibt heute unzählige Varianten, die ihrer Aufgabe angepasst wurden und sehr verschieden sein können.

Prinzipiell besteht der Hammerkopf aus Metall und besitzt eine Bahn (Schlagfläche) und eine Finne (schmale Schlagfläche). In dieser Grundform unterscheiden sich Zimmermannshammer, Schlosserhammer, Maurerhammer oder Schmiedehammer nur in der Größe und Form – speziell der Finne. Diese ist bei einem Maurerhammer sehr flach ausgeprägt und beim Zimmermannshammer (Latthammer) zusätzlich geteilt, wodurch Nägel aus dem Holz gehebelt werden können.

Neben der unterschiedlichen Form des Hammerkopfes ist vor allem das verwendete Material ausschlaggebend für die bevorzugte Verwendung. Beispielhaft ist der Kupferhammer, der auf Stein keine Funken verursacht und aufgrund des weicheren Materials andere Metalle kaum beschädigt. Ähnliches gilt für den Gummihammer oder Fäustel mit Gummiaufsatz. Der schwere Fäustel erzeugt zwar eine große Schlagenergie, diese wird aufgrund des Gummiaufsatzes jedoch etwas gebremst, wodurch der Fäustel eher eine schiebende Wirkung erreicht und die Oberfläche weniger deformiert.

Moderner und innovativer zeigen sich rückschlagfreie Hämmer, die hauptsächlich als Schonhammer ihren Einsatz finden. Neben austauschbaren Schlageinsätzen aus Kunststoff liegt ihre Besonderheit in einem hohlen und mit Sand oder Stahlkugeln gefülltem Kopf. Dieser Füllstoff ist im Kopf beweglich und nimmt die Rückschlagenergie des Hammers auf, wodurch dieser nicht von der Schlagfläche abprallt.

Neben vielen weiteren Spezialhämmern in unterschiedlichen Formen und aus unterschiedlichen Materialien sei noch der recht gebräuchliche Vorschlaghammer – Bello – genannt. Mit bis zu 15 kg ist er einer der größten handgeführten Hämmer und ist hauptsächlich bei Abbruch- und Schmiedearbeiten dienlich.

Zangen greifen, drücken und schneiden

Neben den Hämmern zählen die Zangen zu den am häufigsten eingesetzten Handwerkzeugen. Sie machen sich die physikalische Grundlage des Hebelgesetzes zunutze. Dieses wird erreicht, indem zwei Hebel drehbar gelagert sind und die längeren Griffstücke als Hebelarme dienen, um auf der kürzeren Zangenseite einen größeren Druck auszuüben.

Unterschieden werden Zangen grundsätzlich in ihrer Verwendung zum Halten, Trennen oder Verformen, wobei der Übergang mitunter fließend sein kann oder Zangen, wie die Kombizange, mehrere Funktionen erfüllen.

Von oben nach unten: Wasserpumpenzange, Kombizange, Spitzzange, gebogene Spitzzange und Seitenschneider

Zu den Haltezangen zählen Zangen, mit denen sich Werkstücke durch Hebelkraft oder Federwirkung halten oder fixieren lassen. Die Formen können sehr unterschiedlich ausfallen, um den Umgebungsbedingungen angepasst zu werden. So sind zur Vermeidung von Verbrennungen Schmiedezangen sehr lang und ermöglichen Spitzzangen das Greifen auf engstem Raum. Eine Besonderheit bilden Feststellzangen, die aufgrund des geläufigen Markenzeichens hauptsächlich Grip-Zangen genannt werden. Mit Hilfe eines verstellbaren Hebels lassen sich damit Teile nicht nur unter Kraftaufwand pressen, sie können ebenso ohne weitere Krafteinwirkung gehalten werden.

Zangen zum Verformen fallen zumeist sehr speziell aus und sind der gewünschten Pressform angepasst. Geläufig ist die Grimpzange, die häufig bei der Verbindung von Kabeln und Steckern ihren Einsatz findet.

Die bekannteste Zange zum Schneiden ist sicherlich der Seitenschneider, aber auch die Beiß- oder Kneifzange gehört in diese Kategorie. Auch wenn das Trennen mit einer Zange als Schneiden bezeichnet wird, unterscheiden sich Schneidezangen grundsätzlich von Scheren. Während Scheren ihre Schneiden aneinander vorbei führen, pressen Schneidezangen sie aufeinander und quetschen damit das zu trennende Material bis es bricht.

Rohr- oder Wasserpumpenzange?

Rohrzangen (blau) und Wasserpumpenzange (rote Griffe)

Ebenfalls zu den Haltezangen gehören die Rohr- und Wasserpumpenzange. Da es bei diesen Zangenformen jedoch häufig zu Verwechslungen kommt, sollen sie hier extra erwähnt werden. Die meist kleinere Wasserpumpenzange besitzt ein verstellbares Gelenk, wodurch sich die Griffweite in Stufen verändern lässt. Die Form der Verstellung kann hierbei sehr unterschiedlich ausfallen und richtet sich nicht zuletzt nach dem Preis und der Qualität.

Grundverschieden aufgebaut und dennoch häufig falsch bezeichnet ist die Rohrzange. Hier arbeiten die Klemmbacken über ein Hebelgelenk, welches sich beim Druck auf den oberen Hebelarm selbstständig spannt und das Werkstück klemmt. Dieser Klemmvorgang bestimmt jedoch die Griffrichtung der Zange, sodass die Rohrzange immer nur in einer Drehrichtung angesetzt werden kann. Hierfür sind die Klemmbacken zusätzlich verzahnt und die Zähne in die anzuwendende Drehrichtung geneigt. Die Voreinstellung der Spannweite erfolgt durch eine Schraubverstellung am unteren Hebelarm.

Sägen für jede Anwendung

Die Arbeitsweise aller Sägen ist gleich und unterscheidet sich nur in ihrer Anwendung und dem Aufbau der Säge. Jede Säge besitzt ein Sägeblatt mit Zähnen, die gerade, schräg und geschränkt sein können. Wird das Sägeblatt mit seinen Zähnen über das Material geführt, heben die Zähne nacheinander kleine Späne ab und trennen somit das Material. Ein zusätzlicher Zahnversatz oder eine Schränkung der Zähne sorgt dafür, dass der Sägeschnitt breiter als das Sägeblatt ist und dieses nicht klemmt.

Puksäge (Bügelsäge) zum Kürzen von Kupferrohren

Für einen schnellen Sägevorgang, sind in den meisten Fällen die Zähne nach vorne gerichtet, da beim Schieben mehr Kraft als beim Ziehen aufgebracht werden kann. Das hat jedoch den Nachteil, dass sich dünne Sägeblätter unter der Schubkraft vor dem Materialeintritt verbiegen können. Sägeblätter müssen daher besonders stabil sein oder beidseitig (vor und hinter dem zu trennenden Material) gehalten werden. Diese beiden Möglichkeiten unterscheiden Sägen in Bügelsägen und Heftsägen.

Wie der Name bereits sagt, besitzen Bügelsägen einen Bügel, der das Sägeblatt beidseitig hält und spannt. Wird die Säge am Griffstück geschoben, ergibt sich damit nicht nur eine Schubkraft auf das Sägeblatt, wodurch es sich verbiegen könnte. Die Schubkraft wird zusätzlich über den Haltebügel übertragen, der das Sägeblatt hinter dem zu trennenden Material zieht. Damit ergibt sich eine äußerst stabile Sägeform. Nachteilig oder störend kann sich jedoch der Bügel auswirken, der die Schnitttiefe der Säge begrenzt. Je nach Anwendung unterscheiden sich Bügelsägen daher neben dem verwendeten Sägeblatt auch in der Bügelform. Metalle werden von Hand nur in einem geringen Maß gesägt, wodurch der Bügel relativ nah über dem Sägeblatt liegen kann, was nur geringe Schnitttiefen erlaubt. Die Laubsäge besitzt dagegen einen sehr großen Bügel, der es ermöglicht auch tief im Material zu sägen. Weitere Bügelsägen wären die Puksäge und die Holzbügelsäge.

Alte Heftsäge zur Holzbearbeitung

Heftsägen besitzen keinen Bügel: Ihr Sägeblatt wird einseitig in einem Griff (Heft) gehalten, wodurch sie ihren Namen erhalten. Die Schubbewegung wird durch das Heft auf das gesamte Sägeblatt übertragen, sodass dieses geschoben wird. Das Sägeblatt muss daher besonders stabil sein, was zumeist durch ein sehr hohes Sägeblatt erreicht wird, wie es beim Fuchsschwanz bekannt ist. Zusätzlich kann das Sägeblatt oberhalb durch ein verstärktes Profil geführt werden, was dem Sägeblatt zwar mehr Stabilität verleiht, jedoch die Schnitttiefe begrenzt. Heftsägen ohne Stabilisierung können durch das Material tauchen und sind in der Schnitttiefe nicht begrenzt.

Eine Sonderform der Heftsägen bilden die Fein- und Zugsägen. Ihre Schnittrichtung ist nicht auf Schub ausgelegt, womit mehr Kraft übertragen werden kann, sondern auf Zug. Wird das Blatt gezogen, spannt es sich zwischen Heft und Schnittpunkt und richtet sich dadurch selbstständig gerade aus. Da hierbei weniger Kraft ausgeübt werden kann, wird diese Bauform zumeist als Feinsäge genutzt: Die Schnittflächen werden sehr gerade, wodurch sich die Zugsäge gut für die Herstellung von Zapfen zur Holzverbindung eignet. Deutlich größer und für eine hohe Schnittleistung ausgelegt ist die Schrotsäge. Auch wenn diese zwei Griffe besitzt, wird das Sägeblatt nur durch die wechselseitige Zugbewegung gespannt und besitzt keinen Bügel. Der Umgang mit der Schrotsäge erfordert etwas Übung und eine gute Zusammenarbeit beider Arbeiter an der Säge.

Feilen für die grobe und feine Bearbeitung

Das Prinzip der Säge kommt auch bei Feilen zum Einsatz: Statt einer Reihe an Zähnen besitzt die Feile jedoch eine Fläche mit mehreren Zähnen – Hiebe genannt. Diese können, je nach Verwendung, in Reihen angeordnet sein, sich kreuzen oder einzeln eingeschlagen werden. Mit der Anzahl der Hiebe pro Zentimeter auf dem Feilenblatt werden Feilen mit einer sogenannten Hiebnummer gekennzeichnet.

Hiebnummer Bezeichnung Hiebzahl je Zentimeter
0 Grobfeile 4,5 – 10
1 Schruppfeile 5,3 – 16
2 Halbschlichtfeile 10 – 25
3 Schlichtfeile 14 – 35
4 Doppelschlichtfeile 25 – 50
5 Feinschlichtfeile 40 – 71

Je nach Bedarf können Feilen eine unterschiedliche Form aufweisen, um Nuten, Flächen oder Rundungen zu bearbeiten. Spezielle Formen, wie die Barettfeile oder die Keilbahnfeile, werden im Privatgebrauch jedoch selten benötigt und eine Grundausstattung von Flach-, Rund- und Dreikantfeilen deckt bereits viele Arbeiten ab.

Weiter entscheidend kann die Größe der Feile sein, die von sehr klein bis unhandlich groß ausfallen kann. Unterschieden werden Nadel-, Schlüssel-, Hand- und Armfeilen. Ein kleiner Satz an Schlüsselfeilen und ausgewählte Handfeilen mit einer Länge zwischen 150 und 200 mm (Schlosserfeilen) sollten zu jeder Grundausstattung gehören.

Der Begriff Gewindefeile wird häufig als Witz komischer Werkzeuge angesehen – doch weit gefehlt, es gibt sie tatsächlich. Gewindefeilen besitzen eine Zahnform in den unterschiedlichen Steigungen von Gewindegrößen und mit ihnen lassen sich angerostete oder beschädigte Gewinde zu einem gewissen Grad reparieren. Hierbei ist jedoch stets darauf zu achten, dass die Steigung der Gewindefeile zu der Steigung des zu bearbeitenden Gewindes passt.

Feilenbedarf einer Schlosserwerkstatt
Feilenquerschnitte

Werden Schrauben gedreht oder gezogen?

„Das heißt Schraubendreher und nicht Schraubenzieher! Die Schrauben werden gedreht und nicht gezogen.“

Ein Satz verschiedener Schraubendreher sollte in keiner Werkstatt fehlen

Wer hat diesen Spruch nicht schon zu hören bekommen? Richtig ist die Begründung jedoch nicht: Zwar wird mit einem Schraubenzieher keine Schraube gezogen, jedoch zieht sich die Schraube in das Holz und kann angezogen werden. Damit ist der Begriff Schraubenzieher zwar schon sehr alt und wurde in vielen Bereichen vom Schraubendreher abgelöst, er ist jedoch keinesfalls falsch. In Österreich wird er sogar als Hauptbegriff im Wörterbuch geführt.

Prinzipiell unterscheiden sich Schraubendreher kaum in ihrem Aufbau. Sie bestehen aus einem Griff, in dem eine Klinge mit Schraubenantrieb eingelassen ist. Als Sonderausstattung kann die Klinge durchgehend bis zum Ende des Griffstückes gehen, wodurch der Schraubendreher als schlagfest gekennzeichnet werden kann. Damit ist es möglich angerostete Schrauben durch einen Schlag auf den Schraubendreher zu lockern. Hilfreich kann ebenfalls ein abgesetzter Sechskantantrieb am Schaft sein, wodurch ein Ring- oder Gabelschlüssel zur Erhöhung der Drehkraft verwendet werden kann.

Während vor etlichen Jahren Schrauben hauptsächlich einen Schlitzantrieb besaßen und daher nur einige unterschiedliche Größen an Schraubendreher mit Schlitzantrieb benötigt wurden, hat sich die mögliche Form des Schraubenantriebes heute vervielfacht. Es werden daher viele unterschiedliche Antriebsformen in unterschiedlichen Größen benötigt. Mit Schraubendrehern, die eine feste Klinge besitzen, ist der Bedarf daher kaum noch abzudecken. Zwar ist ein angepasster Satz an verschiedenen Schraubendrehern nach wie vor sinnvoll, um schnell eine Schraube zu lösen oder zu befestigen, doch ist die Erweiterung mittels eines Bithalters und verschiedenen Bits heute unumgänglich.

Gabel-, Ring-, Ratschen- und Steckschlüssel

Bei Schraubenschlüsseln steht häufig die Qualitätsfrage im Vordergrund, was einen guten Grund hat: Einerseits werden mit einem Schraubenschlüssel große Kräfte erreicht, wodurch der verwendete Schlüssel eine gute Qualität aufweisen sollte, anderseits gibt es auch sehr viele Schlüsselformen, die mitunter alle benötigt werden. Wird bei jedem Set an Gabel-, Ring- oder Steckschlüsseln auf eine sehr gute Qualität geachtet, übersteigt das zumeist das typische Heimwerkerbudget. Es muss daher sehr gut zwischen einem gelegentlichen Gebrauch und professioneller Anwendung unterschieden werden. Hinzu kommt häufig ein großer Bedarf an unterschiedlichen Größen, der den Rahmen an benötigten Schraubenschlüsseln weiter sprengen kann.

M3 M4 M5 M6 M7 M8 M10 M12 M14 M16
Schlüsselweite 5,5 mm 7 mm 8 mm 10 mm 11 mm 13 mm 16 mm 18 mm 22 mm 24 mm

Der erste Grundbedarf sollte mit je einem Satz Gabelschlüssel und Ringschlüssel oder einer Kombination gedeckt werden. Für schwer zu erreichende Schrauben kann zusätzlich ein Set gekröpfter Ringschlüssel nötig sein. Selbst als privater Nutzer mit gelegentlicher Anwendung ergibt sich daraus bereits ein großer Umfang an Schraubenschlüssel, die ihre Berechtigung haben.

Für mehr Komfort beim Schrauben sorgen Ratschenschlüssel, die ähnlich einem Ringschlüssel aufgebaut sind, jedoch mit einer Ratschenfunktion in einer Richtung eine Schraubbewegung und in der anderen Richtung einen Leerlauf ermöglichen. Der Ratschenschlüssel muss daher zum Nachsetzen nicht von der Schraube abgenommen werden. Da sich der Ratschenschlüssel einfach umdrehen lässt, benötigt er keine Umschaltung zum Festziehen oder Lösen der Schraube.

Ein ähnliches Prinzip nutzen Steckschlüssel und Umschaltknarren. Da sie sich jedoch nur von einer Seite aufstecken lassen, benötigen sie eine Umschaltung der Ratschenfunktion, müssen dafür jedoch nicht von der Schraube abgenommen werden. Steckschlüssel bieten zudem den Vorteil einer sehr massiven Bauweise, wodurch große Kräfte übertragen werden können. Beim Kauf eines Steckschlüsselsatzes (Nusskasten) sollte daher unbedingt auf eine gute Qualität geachtet werden.

Engländer, Franzose oder doch ein Rollgabelschlüssel?

Häufig steht die Frage, ob der verstellbare Gabelschlüssel nun ein Engländer oder Franzose ist. Selbst der Name "Hesse" kommt als Bezeichnung für einen Engländer mitunter hinzu. Sucht man jedoch in viele Werkstätten, so findet man dort weder Engländer noch Franzosen, sondern hauptsächlich Rollgabelschlüssel, die eine zusätzliche dritte Art an Verstellschlüssel bezeichnen.

Engländer – Franzose – Rollgabelschlüssel

Engländer besitzen, wie eine Schraubzwinge, einen Schaft und oberhalb einseitig eine feste Backe. Auf dem Schaft ist ein Gewinde untergebracht, mit dem sich die bewegliche Spannbacke verstellen lässt. Der Engländer ist somit recht handlich, unterliegt aber sehr stark einer einseitigen Belastung.

Franzosen sind in heimischen Werkstätten eher selten zu finden. Die Funktionsweise ähnelt dem Engländer, jedoch besitzen sie beidseitig Spannbacken. Durch Drehungen am Griff lässt sich die Schraubengröße anpassen und bei Bedarf auf der zweiten Seite zusätzlich eine gleichgroße Mutter einspannen. Anders als der Engländer wird der Franzose damit nicht ungleichmäßig belastet und es lassen sich ohne Beschädigungen größere Kräfte übertragen. Durch die doppelseitige Ausführung benötigt der Franzose jedoch deutlich mehr Platz.

Moderne und heute hauptsächlich verwendet wird der Rollgabelschlüssel. Dieser sieht wie ein einfacher Gabelschlüssel aus, dessen bewegliche Backe über ein Schneckengetriebe verstellt werden kann.

Gewindeschneiden braucht etwas Übung

Sind Schrauben oder Gewindelöcher beschädigt, kann es nötig werden, das Gewinde neu zu schneiden. Ebenso helfen selbst angefertigte Gewindelöcher dabei Metallteile ohne Schweißgerät und vor allem lösbar zu verbinden. Das Schneiden von Gewinde ist jedoch nicht ganz einfach und erfordert neben etwas Fachwissen auch Übung im Umgang mit Gewindebohrer und Schneideisen.

Rostige und deformierte Gewinde lassen sich noch recht einfach nacharbeiten, indem der passende Gewindebohrer oder das richtige Schneideisen über das Gewinde gedreht wird. Wichtig ist es jedoch das Werkzeug vorsichtig und im richtigen Gang anzusetzen. Wird dieser verfehlt und damit ein neues Gewinde versetzt auf das alte geschnitten, erhält es nicht mehr voll ausgearbeitete Flanken und ist damit unbrauchbar.

M3 M4 M5 M6 M8 M10 M12
Steigung 0,5 mm 0,7 mm 0,8 mm 1,0 mm 1,25 mm 1,5 mm 1,75 mm
Kernloch 2,5 mm 3,3 mm 4,2 mm 5 mm 6,8 mm 8,5 mm 10,2 mm

Das Schneiden von neuen Gewinden erfordert etwas Übung, da gerade kleine Gewindebohrer schnell abbrechen. Grundlage sind das passende Kernloch zum Gewinde (siehe Tabelle) und ein gerades Ansetzen des Gewindebohrers. Die Angaben zum Kernloch eines Gewindes dienen nur als Richtmaß und müssen je nach Material angepasst werden. Im Schnitt wird die Steigung des Gewindes vom Gewindenenndurchmesser abgezogen.

Beispiel: M10 - Steigung von 1,5 mm = Kernloch 8,5 mm.

Bei Edelstahl und anderen schwer zu bearbeitenden Materialien kann das Kernloch je nach Gewindegröße 0,2 bis 0,4 mm kleiner gewählt werden. Die weit verbreitete Faustformel, die Gewindenenngröße mit 0,8 zu multiplizieren, ist zu ungenau und fällt für die Bearbeitung von Stahl zu klein aus. Das Abziehen der Gewindesteigung vom Nenndurchmesser stellt die bessere Variante dar.

Satzgewindebohrer zum Gewindebohren in drei Schritten

Ebenso falsch ist der Glaube, der auch im Internet oft nicht richtig angegeben wird, dass der Gewindebohrer nach einer Umdrehung um eine Viertelumdrehung zurück gedreht werden soll, um den Span zu brechen. Das Brechen der Späne führt gerade bei Sacklöchern (nicht durchgängige Löcher in Vollmaterial) zum Verstopfen, da die Späne nicht aus dem Bohrloch geführt werden. Hinzu kommt eine zusätzliche Belastung der Schneiden, die bei einer Rückwärtsbewegung leicht ausplatzen können und bei jedem neuen Anschnitt wieder in das Material eintauchen müssen. Bei einem durchgängigen Schneiden rollen sich die Späne und werden als Fließspan aus dem Gewindeloch geführt. Voraussetzung ist eine gute Schmierung. Hierfür kann spezielles Schneidöl, aber in Einzelfällen ebenso jedes andere Öl und auch Fett, verwendet werden.

Beim Schneiden von Außengewinden auf Rundmaterial ist das Risiko geringer, dass das Werkzeug bricht. Dagegen ist es ohne entsprechende Vorrichtungen selten möglich, ein Schneideisen exakt gerade auf das Rundmaterial aufzusetzen. Hilfreich ist eine exakte Fase, die größer als die Steigung des Gewindes ist. Sehr lange Gewinde sollten jedoch vermieden werden. Bei kurzen Gewinden ist es zwar ebenso wichtig auf einen geraden Ansatz zu achten, ein leichter Versatz ist jedoch nicht so tragisch. Da Rundmaterialien häufig in glatten Millimeter-Maßen angeboten werden, kann dieses zum Schneiden von Außengewinden genutzt werden, erschwert den Schneidvorgang jedoch. Besser ist die Wahl eines Rundmaterials, das etwa 0,2 mm kleiner als das Nennmaß des Gewindes ist. Schneideisen schneiden das Gewinde nicht nur in das Material, durch die Krafteinwirkung wird es zusätzlich verformt und die Gewindespitzen werden neu aufgebaut.

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Bildnachweis
  1. "Handwerkzeuge – die Basis jeder Werkstatt" (Originalbild): TiBine, Lizenz: CC0 1.0 / Pixabay

  2. "Dengeln einer Sense mit dem Hammer" (Originalbild): Sesafa1, Lizenz: CC0 1.0 / Pixabay

  3. "Zangen" (Originalbild): WerbeFabrik, Lizenz: CC0 1.0 / Pixabay

  4. "Rohr- und Wasserpumpenzangen": © Riccardo Düring - westfalia.de

  5. "Puksäge (Bügelsäge) zum Kürzen von Kupferrohren" (Originalbild): EugenesDIYDen, Lizenz: CC0 1.0 / Pixabay

  6. "Alte Heftsäge zur Holzbearbeitung" (Originalbild): PublicDomainPictures, Lizenz: CC0 1.0 / Pixabay

  7. "Feilenbedarf einer Schlosserwerkstatt" (Originalbild): MichiBieri, Lizenz: CC0 1.0 / Pixabay

  8. "Feilenquerschnitte" (cross-section.svg) von Wela49, Lizenz: CC BY-SA 3.0, beschnitten

  9. "Schraubendreher auf westfalia.de kaufen": westfalia.de / Westfalia

  10. "Engländer – Franzose – Rollgabelschlüssel": © Riccardo Düring - westfalia.de

  11. "Satzgewindebohrer" (Gewindeschneider_01_KMJ.jpg) von KMJ, Lizenz: CC BY-SA 3.0, beschnitten

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