Kurz erklärt: Hanf ist eine robuste und schnellwachsende Nutzpflanze, die mit wenig Aufwand im Garten gedeiht. Sie benötigt einen sonnigen Standort, durchlässigen Boden und regelmäßige Wassergaben in der Jugendphase. Die Wahl zwischen Faserhanf, Ölhanf oder Zierhanf bestimmt die spätere Verwendung. Der Anbau ist in Deutschland für zugelassene, THC-arme Sorten legal und dient der Gewinnung von Fasern, Samen oder als Vogelfutter.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Nutzhanf überhaupt?
Nutzhanf, botanisch Cannabis sativa, ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Im Gegensatz zu seinem berauschenden Verwandten enthält er nur minimalste Mengen des psychoaktiven THC. Stattdessen punktet er mit robustem Wuchs, vielfältiger Verwertbarkeit und positiven Effekten für Ihren Garten.
Die Pflanze erreicht je nach Sorte innerhalb einer Saison drei bis vier Meter Höhe. Ihr dichtes Blattwerk unterdrückt Unkraut effektiv. Das tiefreichende Wurzelwerk lockert den Boden und kann Schadstoffe binden. Hanf ist damit ein idealer Partner in der Fruchtfolge.
Sie nutzen später die Fasern der Stängel, die proteinreichen Samen (Hanfnüsse) oder die gesamte Pflanze als Viehfutter. Für Hobbygärtner ist auch die Bereitstellung von Vogelfutter aus eigenen Samen ein lohnenswertes Ziel.
Zusätzlicher Rat
Kaufen Sie Saatgut nur bei zertifizierten Anbietern. Diese garantieren den gesetzlich vorgeschriebenen THC-Gehalt unter 0,2% und liefern sortenreines, keimfähiges Material. Bewahren Sie die Quittung als Nachweis für die Legalität Ihres Saatguts auf.
Welche Hanf-Arten eignen sich für den Garten?
Nicht jede Hanfsorte liefert die gleichen Ergebnisse. Die Wahl hängt von Ihrem primären Verwendungszweck ab. Die drei Hauptrichtungen sind Faserhanf, Ölhanf und Zierhanf.
Faserhanf für robuste Materialien
Diese Sorten wachsen besonders hoch und entwickeln lange, stabile Bastfasern. Sie ernten sie zur Fasergewinnung kurz vor oder während der Blüte. 'Futura', 'Fedora' oder 'Felina' sind bekannte, in der EU zugelassene Sorten.
Ölhanf für nahrhafte Samen
Ölhanfsorten bilden viele und große Samen aus. Sie lassen die Pflanzen dafür vollständig ausreifen. Die Samen enthalten wertvolle Öle und Proteine. Sorten wie 'Finola' oder 'Uso' sind darauf spezialisiert.
Zier- oder Zwergformen
Für den Kleingarten oder sogar den Kübel eignen sich kompakte Sorten wie 'Bialobrzeskie'. Sie werden nur 1,5 bis 2 Meter hoch, tragen aber den typischen, dekorativen Blattschmuck und bilden Samen aus.
„Nutzhanf ist eine der effizientesten Pflanzen zur Biomasseproduktion. Auf derselben Fläche liefert er im Vergleich zu Holz bis zu viermal mehr Zellulose in deutlich kürzerer Zeit.“
Die Vorbereitung: Standort, Boden & Saatgut
Mit der richtigen Vorbereitung legen Sie den Grundstein für eine erfolgreiche Ernte. Hanf ist anspruchslos, aber nicht ohne Ansprüche.
Der perfekte Standort
Wählen Sie eine vollsonnige Fläche. Je mehr Licht, desto kräftiger das Wachstum. Windgeschützte Lagen sind vorteilhaft, damit die hochwachsenden Pflanzen nicht knicken. Der Standort sollte für die gesamte Vegetationsperiode zur Verfügung stehen.
Durch seine Unkraut unterdrückende Wirkung eignet sich Hanf auch als Lückenfüller oder zur Bodenverbesserung auf Brachflächen. Planen Sie genug Platz ein, die Pflanzen können buschig werden.
Boden vorbereiten und düngen
Lockern Sie den Boden tiefgründig auf. Entfernen Sie Steine und Wurzelunkräuter. Hanf mag keine Staunässe, eine gute Drainage ist entscheidend. Schwere Böden mischen Sie mit Sand.
Eine Grunddüngung mit reifem Kompost oder einem organischen Langzeitdünger vor der Aussaat versorgt die Pflanzen ausreichend. Auf überdüngten Böden schießt Hanf zu sehr in die Höhe und wird instabil. Finden Sie weitere Hilfsmittel in unserem Sortiment für Garten & Pflanzenzubehör.
Wichtiger Hinweis
Klären Sie vor der Aussaat die rechtliche Situation. Nur zugelassene Sorten sind erlaubt. Informieren Sie im Zweifelsfall Ihre örtliche Landwirtschaftsbehörde über den beabsichtigten Anbau, insbesondere bei größeren Flächen. Private Zier- oder Eigenanbau von psychoaktivem Cannabis ist illegal.
Das richtige Saatgut wählen
Entscheiden Sie sich für ein Ziel: Fasern, Samen oder Zierde. Kaufen Sie das entsprechende, zertifizierte Saatgut. Die Keimfähigkeit von Hanfsaatgut ist normalerweise mehrere Jahre hoch. Für die Fütterung von Vögeln oder Kleintieren aus eigenem Anbau eignet sich beispielsweise unsere .
Hanf aussäen: Schritt für Schritt
Die Direktsaat ins Freiland ist die einfachste und beste Methode. Hanf verträgt das Pikieren nur schlecht.
Zeitpunkt: Ab Mitte Mai
Warten Sie, bis die Frostgefahr vorbei ist und sich der Boden erwärmt hat. Eine konstante Bodentemperatur über 10°C ist ideal. Das ist meist ab Mitte Mai der Fall. Bei späterer Saat bis Ende Juni verkürzt sich die Wachstumszeit.
Aussaatanleitung
Ziehen Sie mit einer Hacke eine flache Rille von etwa 2-3 cm Tiefe. Der Reihenabstand sollte 20 bis 30 Zentimeter betragen. Legen Sie die Samen im Abstand von 10-15 cm in die Rille. Bei engerem Abstand unterstützen sich die Pflanzen gegenseitig im Höhenwachstum, was für Faserhanf erwünscht sein kann.
Bedecken Sie die Samen locker mit Erde und drücken Sie diese leicht an. Halten Sie die ersten zwei Wochen die Erde gleichmäßig feucht, aber nicht nass. Die Keimung erfolgt nach 5 bis 10 Tagen.
Profi-Tipp
Mischen Sie die kleinen Hanfsamen vor der Aussaat mit Sand. Das erleichtert die gleichmäßige Verteilung in der Reihe und verhindert, dass zu viele Samen an einer Stelle liegen. Dünnen Sie zu dicht stehende Keimlinge später auf den gewünschten Abstand aus.
Die Pflege während der Wachstumsphase
Hanf ist pflegeleicht, doch einige Maßnahmen steigern Ertrag und Qualität.
Wasser und Nährstoffe
In den ersten vier bis sechs Wochen nach der Keimung ist ausreichend Wasser entscheidend. Gießen Sie bei Trockenheit durchdringend. Später reichen die tiefen Wurzeln bis zu einem Meter ins Erdreich und die Pflanze versorgt sich selbst.
Eine zusätzliche Stickstoffdüngung während des Hauptwachstums (etwa im Juni) kann das Wachstum fördern. Verwenden Sie dafür am besten einen organischen Flüssigdünger. Zu viel Stickstoff macht die Pflanzen jedoch anfälliger für Windbruch.
Unkraut nur am Anfang
Solange die Hanfpflanzen klein sind, halten Sie die Reihen frei von Konkurrenz. Sobald sich das dichte Blätterdach schließt – was sehr schnell geschieht – erledigt Hanf die Unkrautbekämpfung selbst. Scharfe und geeignete Werkzeuge für diese Arbeiten finden Sie in der Kategorie Gartenwerkzeuge.
Schädlinge und Krankheiten
Hanf ist sehr resistent. Echter Mehltau kann bei feuchter Witterung an den unteren Blättern auftreten. Entfernen Sie befallene Blätter. Vorbeugend hilft ein luftiger Standort. Schädlinge wie Blattläuse sind selten ein Problem, da die Blätter für viele Insekten unattraktiv sind.
Für die Ernte und weitere Pflegeschnitte kann eine zuverlässige Schere nützlich sein, wie unsere
.„Die Hanfpflanze verbessert die Bodenstruktur nachhaltig. Ihre Wurzeln durchdringen auch verdichtete Schichten und hinterlassen nach der Ernte ein feinkrümeliges, gut belüftetes Bodenprofil für die Folgefrucht.“
Ernte und Verarbeitung der Hanfpflanze
Der Erntezeitpunkt bestimmt, was Sie gewinnen. Eine universelle Ernte für alles gibt es nicht.
Ernte für Fasern (Bast)
Schneiden Sie die Pflanzen zur Fasergewinnung kurz vor oder während der Blüte. Das ist je nach Sorte und Aussaat zwischen Ende Juli und Ende August. Zu diesem Zeitpunkt sind die Stängel noch grün und die Fasern am geschmeidigsten.
Schneiden Sie die Stängel knapp über dem Boden ab. Entfernen Sie die Blätter. Für die Faserfreilegung müssen die Stängel nun einer Wasserröste unterzogen werden – ein Prozess, bei dem Mikroorganismen die holzigen Teile von den Bastfasern trennen.
Ernte für Samen (Hanfnüsse)
Warten Sie, bis die Samenstände braun und die Samen hart sind. Das kann bis in den September oder Oktober dauern. Schlagen Sie die Samenstände vorsichtig in einen Eimer aus oder schneiden Sie die gesamten Rispen ab.
Trocknen Sie die Samen an einem luftigen, schattigen Ort gründlich. Danach können Sie sie aus den Hüllen dreschen. Die geernteten Samen eignen sich für die eigene Küche oder als hochwertiges Vogelfutter. Unser bietet eine praktische Alternative oder Ergänzung.
Ernte als Ganzes für Tiere oder Mulch
Sie können die gesamte Pflanze auch als Grünfutter oder für die Herstellung von Mulchmaterial nutzen. Hierbei ist der Erntezeitpunkt flexibler. Häckseln Sie die getrockneten Pflanzen und verwenden Sie sie als schützende Bodendecke in Ihren Beeten. Passende Säcke für Gartenabfälle finden Sie hier: Gartenabfallsäcke.
Weitere Verwendungen im Haushalt
Die robusten Fasern lassen sich auch zu einfachen Seilen oder Garnen verarbeiten. Für Abdichtungsarbeiten an Haus und Garten, etwa an Gewindeverbindungen, bietet sich unser dichter und nachwachsender
an.Mit diesen Schritten verwandeln Sie Ihren Garten in eine produktive Fläche für eine der ältesten und nützlichsten Kulturpflanzen. Hanf verbindet praktischen Nutzen mit ökologischem Gärtnern.
Häufige Fragen
- Ist der Anbau von Hanf in Deutschland legal?
- Ja, aber nur unter strengen Auflagen. Erlaubt ist der Anbau von zugelassenen, THC-armen Nutzhanfsorten (Cannabis sativa) mit einem THC-Gehalt unter 0,2%. Sie müssen diese Sorten von zertifizierten Saatguthändlern beziehen und können sie für Fasern, Samen oder als Vogelfutter nutzen. Der private Zier- oder Eigenanbau von psychoaktivem Cannabis (Marihuana) ist dagegen nach wie vor verboten.
- Wann ist der beste Zeitpunkt, um Hanf auszusäen?
- Säen Sie Hanf direkt ins Freiland, sobald keine Spätfröste mehr zu erwarten sind – etwa ab Mitte Mai. Die Bodentemperatur sollte konstant über 10°C liegen. Für eine frühere Ernte oder in kühleren Regionen können Sie ab April im Haus vorziehen. Achten Sie dann auf ausreichend Licht, damit die Keimlinge nicht vergeilen.
- Welchen Boden braucht Hanf zum optimalen Wachstum?
- Hanf stellt geringe Ansprüche, gedeiht aber am besten auf tiefgründigen, durchlässigen und nährstoffreichen Böden mit einem neutralen bis leicht basischen pH-Wert. Schwere, staunasse Böden sind ungeeignet. Eine Grunddüngung mit Kompost oder einem organischen Langzeitdünger vor der Aussaat fördert das Wachstum. Leichte Böden können Sie mit Humus anreichern.
- Kann ich Hanf auch im Topf auf dem Balkon anbauen?
- Für hohe Faser- oder Samenerträge sind Töpfe nicht ideal, da Hanf ein tiefes Wurzelsystem entwickelt. Kompakte Ziersorten (wie 'Bialobrzeskie') lassen sich jedoch in großen, mindestens 30 Liter fassenden Kübeln kultivieren. Wichtig ist eine sehr gute Drainage und regelmäßiges Gießen, da Töpfe schneller austrocknen. Der Standort muss sonnig sein.
- Was mache ich mit der geernteten Hanfpflanze?
- Die Verwendung hängt von der angebauten Sorte ab. Nach der Ernte trocknen Sie die Pflanzen. Die Samen (Hanfnüsse) können Sie roh verzehren, zu Öl pressen oder als Vogelfutter verwenden (PRODUCT_23308). Die langen Fasern der Stängel eignen sich nach einer speziellen Röste zur Herstellung von Seilen, Stoffen oder Dichtmaterial (PRODUCT_20716). Die Blätter und Blütenstände dienen als Mulchmaterial.
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