Ein beständiges Summen aus dem Dachstuhl oder Rollladenkasten ist selten ein gutes Zeichen. Oft haben sich Wespen eingenistet. Der erste Impuls vieler Hausbesitzer ist, das Nest sofort zu entfernen. Doch das ist nicht immer die beste oder gar eine legale Lösung. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie die Lage richtig einschätzen, wann Sie handeln müssen und welche Möglichkeiten Sie haben, um ein Wespennest unter dem Dach sicher und vorschriftsgemäß zu beseitigen oder umzusiedeln.
Wespen unterm Dach: Nützling oder Schädling?
Wespen haben einen schlechten Ruf. Dabei sind die meisten der heimischen Arten für den Menschen harmlos und für das Ökosystem äußerst nützlich. Nur zwei Arten, die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe, werden im Spätsommer auf der Suche nach Zucker lästig und verteidigen ihr Nest aggressiv. Diese beiden Arten sind es auch, die bevorzugt in dunklen Hohlräumen wie Dachböden, Rollladenkästen oder hinter Wandverkleidungen nisten.
Auch wenn sie stechen können, leisten diese Wespenvölker wertvolle Arbeit. Sie bestäuben Blüten und regulieren den Insektenbestand in Ihrem Garten. Ein Wespenstaat kann pro Tag mehrere tausend Fliegen, Mücken, Blattläuse und Raupen erbeuten und an seine Larven verfüttern. Sie sind eine natürliche Form der Schädlingsbekämpfung.
Alle Wespenarten in Deutschland stehen unter dem allgemeinen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG). Ihre Nester dürfen nicht ohne triftigen Grund zerstört werden. Einige Arten, wie die Hornisse, genießen sogar einen besonderen Schutzstatus. Ein Verstoß kann mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden.
Wespen sind für das ökologische Gleichgewicht sehr wichtig: Ein großes Volk der Deutschen oder Gemeinen Wespe vertilgt an einem Tag bis zu einem halben Kilo Insekten wie Mücken, Bremsen und Fliegen.
Gefahr oder nur Belästigung? Wann Sie handeln müssen
Nicht jedes Wespennest im Dachbereich stellt eine akute Gefahr dar. Bevor Sie Maßnahmen ergreifen, sollten Sie die Situation genau analysieren. Stellen Sie sich folgende Fragen, um den Handlungsbedarf zu ermitteln:
- Wo genau befindet sich das Nest? Ein Nest in einer ungenutzten Ecke des Dachbodens ist weniger problematisch als eines direkt über dem Hauseingang, dem Kinderzimmerfenster oder der Terrasse.
- Wie verläuft die Hauptflugroute der Tiere? Kreuzt der An- und Abflug der Wespen ständig Ihre Wege oder die Ihrer Familie? Wenn die Tiere sich gestört fühlen, steigt die Gefahr von Stichen.
- Leben Allergiker im Haushalt? Für Menschen mit einer Insektengiftallergie kann ein Wespenstich lebensbedrohlich sein. In diesem Fall ist eine Entfernung des Nestes fast immer gerechtfertigt.
- Welche Jahreszeit haben wir? Ein Wespenvolk lebt nur einen Sommer lang. Im Spätherbst sterben alle Arbeiterinnen und die alte Königin. Nur die jungen Königinnen überwintern an einem anderen Ort. Das alte Nest wird im Folgejahr nicht wieder besiedelt. Können Sie vielleicht einfach bis zum ersten Frost abwarten?
Nur wenn eine konkrete und unmittelbare Gefahr für die Bewohner besteht, gilt dies als „vernünftiger Grund“ im Sinne des Gesetzes, der eine Entfernung oder Umsiedlung rechtfertigt.
Wichtiger Hinweis
Das eigenmächtige Zerstören oder Entfernen eines Wespennestes ohne Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde ist eine Ordnungswidrigkeit. Je nach Bundesland und Schutzstatus der Art können Bußgelder von bis zu 50.000 Euro verhängt werden.
Wespennest selbst entfernen: Eine riskante Idee
Der Gedanke, das Problem schnell selbst mit einem Insektenspray aus dem Baumarkt zu lösen, ist verlockend. Doch davon ist dringend abzuraten. Die Risiken einer unsachgemäßen Entfernung sind erheblich und vielfältig.
Wespen verteidigen ihr Nest und ihre Brut mit aller Macht. Fühlen sie sich angegriffen, attackieren sie im Schwarm. Anders als Bienen können Wespen mehrfach zustechen. Zahlreiche Stiche auf einmal können auch für Nicht-Allergiker gefährlich werden. Die Arbeit in einem engen Dachstuhl oder auf einer hohen Leiter erhöht das Unfallrisiko zusätzlich. Ein plötzlicher Angriff kann leicht zu einem Sturz führen.
Frei verkäufliche Insektizide sind oft nicht stark genug, um ein ganzes Volk abzutöten. Meist verenden nur die direkt getroffenen Tiere. Der Rest des Schwarms wird dadurch extrem aggressiv. Zudem können unsachgemäß ausgebrachte Gifte die Bausubstanz schädigen und gesundheitsschädliche Rückstände im Wohnraum hinterlassen.
Profi-Tipp
Wenn Sie sich dem Nest nähern müssen, um die Lage zu beurteilen, tun Sie dies in den frühen Morgenstunden oder nach Einbruch der Dunkelheit. Dann sind die meisten Wespen im Nest und weniger aktiv. Bewegen Sie sich langsam und vermeiden Sie hektische Bewegungen, Erschütterungen und das Anleuchten des Einfluglochs mit einer Taschenlampe. Tragen Sie zum Schutz langärmelige, dicke Kleidung. Passende Schutzausrüstung finden Sie im Bereich Arbeitsschutz & Sicherheit.
Die professionelle Lösung: Umsiedeln oder bekämpfen?
Stellt das Wespennest eine unzumutbare Gefahr dar, haben Sie zwei Möglichkeiten, die Sie ausschließlich einem Profi überlassen sollten: die Umsiedlung oder die Bekämpfung.
Umsiedlung: Die naturfreundliche erste Wahl
Die Umsiedlung ist die beste Methode, um das Problem zu lösen, ohne die Tiere zu töten. Ein Spezialist, oft ein Imker, ein speziell geschulter Schädlingsbekämpfer oder ein Naturschützer, saugt das Volk mit einem speziellen Gerät vorsichtig ab. Anschließend wird das Nest behutsam vom Untergrund gelöst, in einen Transportkasten verpackt und an einem geeigneten Ort, zum Beispiel in einem Wald, wieder ausgesetzt. Dort kann das Volk seine wichtige ökologische Aufgabe weiter erfüllen.
Diese Methode ist besonders bei Nestern anwendbar, die frei zugänglich sind. Bei Nestern tief in der Bausubstanz kann eine Umsiedlung technisch unmöglich sein.
Bekämpfung: Der letzte Ausweg
Ist eine Umsiedlung nicht möglich oder die Gefahr zu akut, bleibt nur die Bekämpfung durch einen zertifizierten Schädlingsbekämpfer. Dieser verfügt über die notwendige Ausrüstung und spezielle Wirkstoffe (Insektizide), die für Privatpersonen nicht erhältlich sind. Der Profi behandelt das Nest mit einem Kontaktpuder oder -schaum, der von den ein- und ausfliegenden Wespen ins Innere getragen wird und das Volk innerhalb von ein bis zwei Tagen abtötet.
Ein seriöser Kammerjäger wird Sie immer zuerst über die Möglichkeit einer Umsiedlung aufklären und eine Bekämpfung nur als letztes Mittel vorschlagen.
Ein Wespennest am oder im Haus muss nur dann entfernt werden, wenn es eine unmittelbare Gefahr für den Menschen darstellt.
Vorbeugung: So bleibt Ihr Dachstuhl wespenfrei
Die beste Methode gegen ein Wespennest ist, seine Entstehung von vornherein zu verhindern. Im Frühjahr, meist ab April, suchen die jungen Königinnen nach einem geeigneten Nistplatz. In dieser Zeit sollten Sie Ihr Haus auf mögliche Einflugschneisen untersuchen und diese verschließen.
- Schwachstellen abdichten: Kontrollieren Sie den Dachbereich auf lose Ziegel, Risse im Mauerwerk, Öffnungen an Lüftungsgittern oder undichte Fugen an Fensterrahmen und Rollladenkästen. Verschließen Sie diese potenziellen Eingänge mit geeigneten Materialien.
- Insektenschutzgitter: Bringen Sie engmaschige Gitter vor Lüftungsöffnungen an, um das Eindringen zu verhindern.
- Alte Nester entfernen: Auch wenn alte Nester nicht wieder besiedelt werden, signalisieren ihre Überreste nachfolgenden Königinnen einen potenziell guten Nistplatz. Entfernen Sie verlassene Nester im Winter gründlich.
Eine sehr effektive und tierfreundliche Methode der Vorbeugung ist das Aufhängen von Nest-Attrappen. Wespen sind sehr territorial und bauen ihr Nest ungern in der unmittelbaren Nähe eines bereits existierenden, fremden Volkes. Eine solche Attrappe signalisiert: „Dieser Platz ist bereits besetzt.“
Das
simuliert ein fremdes Nest und hält Wespenköniginnen im Frühjahr davon ab, sich in der Nähe niederzulassen. Hängen Sie die Attrappen am besten schon im März oder April an gefährdeten Stellen wie unter dem Dachvorsprung, auf dem Balkon oder im Gartenhaus auf.Zusätzlicher Rat
Einen seriösen Schädlingsbekämpfer erkennen Sie an der Mitgliedschaft in einem Berufsverband (z.B. DSV), einer transparenten Preisgestaltung und einer ausführlichen Beratung. Er sollte Sie immer über die rechtlichen Rahmenbedingungen und die ökologisch sinnvollste Lösung aufklären.
Indem Sie vorbeugen und im Ernstfall besonnen handeln, schützen Sie sich und Ihre Familie, ohne dem wichtigen Ökosystem in Ihrem Garten + Outdoor Bereich unnötig zu schaden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Was kostet die professionelle Entfernung eines Wespennestes?
- Die Kosten variieren stark je nach Aufwand, Zugänglichkeit des Nestes und Methode. Eine Umsiedlung kostet in der Regel zwischen 100 und 200 Euro. Eine Bekämpfung durch einen Kammerjäger kann bis zu 250 Euro oder mehr kosten. Holen Sie immer mehrere Angebote ein.
- Wann ist die beste Zeit, um ein Wespennest zu entfernen?
- Idealerweise sehr früh in der Saison (Mai/Juni), wenn das Nest noch klein ist und nur aus wenigen Tieren besteht. Für die eigentliche Maßnahme eignen sich die kühlen frühen Morgenstunden oder der späte Abend, da die Wespen dann im Nest und träge sind.
- Sterben die Wespen im Winter von allein?
- Ja. Der gesamte Wespenstaat mit Ausnahme der begatteten Jungköniginnen stirbt im Herbst mit dem ersten Frost ab. Die Jungköniginnen suchen sich einen geschützten Platz zum Überwintern und gründen im nächsten Frühjahr ein neues Volk an einem neuen Ort.
- Darf ich ein leeres Wespennest selbst entfernen?
- Ja. Ein verlassenes Nest im Spätherbst oder Winter, in dem garantiert kein Leben mehr ist, können Sie gefahrlos und ohne rechtliche Konsequenzen selbst entfernen. Tragen Sie dabei Handschuhe, da das Nest aus zerkautem Holz und Speichel besteht.
- Welche Wespenarten stehen unter besonderem Schutz?
- Alle wildlebenden Tiere stehen unter einem allgemeinen Schutz. Besonders geschützt sind in Deutschland alle Hornissen-, Hummel- und Wildbienenarten. Für die Entfernung eines Hornissennestes ist fast immer eine Ausnahmegenehmigung der oberen Naturschutzbehörde erforderlich.